Karsten Künzl

Ein Wimpernschlag der Ewigkeit

Ein Wimpernschlag der Ewigkeit – diesen poetischen Namen gab eine Frau vor einigen Jahren einem Kometen, der mit seinem kräftigen Schweif am abendlichen Sternenhimmel zu bewundern war. Und es stimmt, die ungeheuren Zeiträume und riesigen Entfernungen, mit denen Astronomen rechnen, zeigen uns unsere Winzigkeit. Wer von uns kann schon Milliarden Lichtjahre ermessen? Angesichts dieser Zeit- und Welträume leuchtet unser kurzes Leben wie eine Sternschnuppe auf und verlöscht dann wieder. Wir sind wie ein Wimpernschlag. Und wenn die Tage nun wieder kürzer werden und das Licht kaum noch durch die Wolken dringt, dann werden wir schmerzlich daran erinnert. Die Bibel sagt dazu in Psalm 103,15: „Der Mensch ist so vergänglich wie das Gras. Es geht ihm wie der Blume im Steppenland: Ein heißer Wind kommt – schon ist sie fort, und wo sie stand, bleibt keine Spur von ihr.“

Für manchen ist das ein Grund zu resignieren und zu verzweifeln. Aber ich hoffe nicht für Sie. Denn der Psalm geht weiter und David singt: „Doch die Güte Gottes bleibt für immer bestehen. Bis in die fernste Zukunft gilt sie denen, die Gott ehren.“ Die Güte Gottes. Für immer. Bis in die fernste Zukunft! Gottes liebevolle Zuwendung ist da, auch wenn wir sie nicht spüren und sie trägt uns selbst durch die tiefste Dunkelheit hindurch.

Pfarrer Dietrich Bonhoeffer, der 1944 noch kurz vor Kriegsende von den Nazis ermordet wurde, hat diese Erfahrung in einem Gebet ausgedrückt: „Gott, in mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht. Ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht. Ich bin kleinmütig, aber bei dir ist der Friede. In mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist die Geduld. Ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den Weg für mich. Amen.“

Ich lade Sie ein, dieses Gebet zu Ihrem Gebet zu machen und es jetzt zu beten. Es wird Ihnen Kraft geben und Sie aufrichten. Besonders in den Momenten, in denen wir um die Menschen trauern, die uns nahestanden, ist dieses Gebet eine echte Stütze. Und wenn ich die Gräber derer besuche, die der Tod von uns gerissen hat, möchte ich auf dieses Gebet nicht verzichten. Einen Wimpernschlag der Ewigkeit durften wir mit unseren Lieben teilen. Und es dauert nur noch einen Wimpernschlag der Ewigkeit und wir werden bei ihnen sein. Nutzen wir daher die Zeit und vertrauen auf Gott, der mit seinem Licht die Finsternis in und um uns beseitigt.

Ihr Karsten Künzl

(C) Freie evangelische Gemeinde Eibelshausen 2019

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